
Die Entstehung von
„Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“
Ein Gespräch mit W.H. Hartmann über Literatur, Musik, Kapstadt und seinen Roman.
Herr Hartmann, wann haben Sie gemerkt, dass ein Lied notwendig wird, um Ihre Geschichte umfassend zu erzählen?
Relativ spät.
Der Roman war fertig. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die wichtigsten Szenen noch nicht erzählt waren.
Ich fand, dass das, was zwischen den Zeilen steht, noch nicht die ganze Geschichte ist. Wie erzählt man Stimmungen? Sehnsucht? Verlust? Die Dinge, die meine Figuren so nicht aussprechen.
Dann entstanden Liedtexte. Nachts. Manchmal um drei Uhr morgens.
Aus einzelnen Zeilen wurden Songs.
Welche Rolle spielen die Lieder?
Sie erzählen das, was im Roman unausgesprochen bleibt.
Zwei Stücke begleiten die Hauptfiguren besonders eng.
"You Called It A Game (But To Me It Was Love)" beschreibt die Perspektive des Fotografen Jonas. Es ist ein Lied über Nähe, Hoffnung und die schmerzhafte Erkenntnis, dass zwei Menschen dieselbe Geschichte völlig unterschiedlich erlebt haben.
"Only Those Who Know The Way" nähert sich der weiblichen Hauptfigur. Ihrer Herkunft, ihren Sehnsüchten. Den Entscheidungen. Ihren Widersprüchen.
Nur wer den Weg kennt, findet den Weg.
Die Songs sind keine Beilage zum Buch.
Sie sind Teil der Geschichte.
War die Geschichte von Anfang an erfunden?
Es gibt einen realen Ort, an dem die Schlüsselszene spielt. Einen Lost Place. Die Heilstätte Grabowsee.
Und es gibt reale Gefühle. Reale Erfahrungen.
Aber Literatur beginnt dort, wo Erinnerung nicht mehr genügt.
Mich interessiert nicht die exakte Rekonstruktion von Ereignissen. Mich interessiert die Frage, was von ihnen bleibt.
Was bewegt Menschen dazu, bestimmte Entscheidungen zu treffen? Und wie leben sie später mit den Konsequenzen?
Der Roman beginnt in Deutschland und führt später nach Südafrika. Warum Kapstadt?
Weil mich diese Stadt seit Jahrzehnten begleitet.
Ich habe dort als junger Mann gelebt. Das Meer. Die Berge. Die Weinregionen. Die Menschen. Die kulturelle Vielfalt auf engstem Raum.
Kapstadt besitzt eine Dichte, die ich selten anderswo erlebt habe.
Als Fotograf war das ein Geschenk. Hinter jeder Kurve wartet ein neues Motiv.
Als Schriftsteller irgendwann auch.
Das Weingut im Roman existiert nicht. Aber seine Wurzeln liegen tief in dieser Landschaft.
Sie veröffentlichen unter dem Namen W.H. Hartmann. Warum ein Pseudonym?
Ein Pseudonym schafft Freiheit.
Und es schützt.
Es erlaubt mir, näher an Erfahrungen heranzugehen, ohne ständig erklären zu müssen, welche Szene exakt so passiert ist und welche nicht.
Außerdem mag ich die Vorstellung, dass ein Buch zunächst für sich selbst spricht.
Die Entstehung des Romans verlief offenbar nicht ganz konfliktfrei.
Das kann man sagen.
Meine Lektorin und ich haben über viele Seiten diskutiert.
Sie ist außergewöhnlich gut in ihrem Beruf. Vermutlich gerade deshalb haben wir uns so intensiv gestritten.
Sie suchte Klarheit und Struktur.
Ich suchte nach Reibung.
Nach Konflikten.
Nach Gefühlen, die manchmal unbequem sind.
An einem Punkt habe ich ihr gesagt, sie solle endlich den Weichspüler weglassen.
Und wer hat sich durchgesetzt?
Sie.
Zum Glück.
Sonst wäre das Buch vermutlich roher geworden. Aber nicht besser.
Rückblickend war genau diese Spannung wichtig.
Über die Rückmeldung einer Leserin habe ich mich deshalb besonders gefreut:
"Fantastisch geschrieben."
Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen.
Worum geht es in „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“ wirklich?
Nicht um Südafrika.
Nicht um Wein.
Nicht einmal um Liebe.
Mich interessieren die Momente, in denen Menschen wissen, was richtig wäre – und trotzdem etwas anderes tun.
Die Geschichten hinter den Entscheidungen.
Die Sehnsüchte.
Die Ängste.
Die Folgen.
Ein Satz, der bleibt.
Eine Begegnung, die nachhallt.
Vielleicht ist dieser Roman am Ende nichts anderes als der Versuch, solchen Echos eine Form zu geben.
Sie gehen mit dem Buch im Sommer auf Lesereise. Was erwartet die Besucher?
Keine klassische Autorenlesung.
Die Veranstaltung verbindet Literatur und Musik zu einer gemeinsamen Erzählung.
Vier eigens für das Projekt entstandene Klangbilder ergänzen die Lesung und bilden zusammen eine rund sechzigminütige Einheit.
Ich freue mich auf beiden Veranstaltungen.
Denn Bücher entstehen allein.
Ihre eigentliche Reise beginnt aber erst dort, wo Menschen zusammenkommen und Geschichten teilen.
Mehr zu „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“
Wer tiefer in die Welt von „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“ eintauchen möchte, findet auf meiner Website weitere Informationen zum Roman, zu den Songs und zu den aktuellen Lesungsterminen.
Zum Roman
Erfahren Sie mehr über die Handlung, die Figuren und die Hintergründe von „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“
Hörprobe
Sie möchten zunächst hineinhören? Hier finden Sie eine Hörprobe zum Roman.
Hier gibt es eine Hörprobe zum Roman auf YouTube
Die Songs zum Buch
Eigens entstandene Songs begleiten die Geschichte und erzählen das, was im Roman oft unausgesprochen bleibt.
Lesungen
Am 16. August 2026 im Lesecafé in Hamburg.
Link zum Lesecafé im Stadtpark | Meine Lesung
Am 28. September 2026 in der KulturFUGE Oberhavel.
Link zur Stadt Oranienburg | Meine Lesung