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W.H. Hartmann

Die Heilstätte Grabowsee.
Ein Lost Place.
Hier spielt die Schlüsselszene des Romans
"Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.":
Ein Fotoshooting.
Aus Nähe wird mehr.
Foto: W.H. Hartmann 2025
DIE ENTSTEHUNG VON
„LIEBE. SCHULD. DAS WEINGUT AM KAP.“
Ein Gespräch mit dem Autor W.H. Hartmann über
Literatur, Musik, Kapstadt und den Roman
Wann haben Sie gemerkt, dass ein Lied notwendig wird, um Ihre Geschichte umfassend zu erzählen?
Relativ spät. Der Roman war fertig, aber die wichtigsten Szenen saßen noch nicht. Was zwischen den Zeilen steht, war noch nicht erzählt: Sehnsucht, Verlust, das, was meine Figuren nicht aussprechen.
Dann entstanden die ersten Liedtexte. Nachts. Oft um drei Uhr morgens. Aus einzelnen Zeilen wurden Songs.
Welche Rolle spielen die Lieder?
Sie erzählen, was im Roman unausgesprochen bleibt.
Zwei Stücke begleiten die Hauptfiguren besonders eng.
„You Called It A Game (But To Me It Was Love)" beschreibt die Perspektive des Fotografen Jonas. Es ist ein Lied über Nähe, Hoffnung und die schmerzhafte Erkenntnis, dass zwei Menschen dieselbe Geschichte völlig unterschiedlich erlebt haben.
„Only Those Who Know The Way" nähert sich der weiblichen Hauptfigur: ihrer Herkunft, ihren Sehnsüchten, ihren Entscheidungen. Der Titel greift einen Spruch auf, den sie als Tattoo trägt.
Die Songs sind keine Beilage. Jeder Track ist eine eigene Stimme aus „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.". Was im Text nicht zu sagen ist, wird gesungen. Die Zeilen sind meine. Den Klang habe ich Suno überlassen. Das war Absicht. Roman und Lied erzählen dieselbe Geschichte. Jedes Medium mit dem, was es am besten kann.
Wie hat das Format in Oranienburg funktioniert?
Am 28. September habe ich es beim „LiteraturFieber" in der KulturFUGE Oranienburg erstmals öffentlich gelesen: sechzig Minuten, in denen Wort und Musik zu einer gemeinsamen Erzählung verschmelzen.
Mit der Resonanz auf die Songs habe ich so nicht gerechnet. Zuhörer sprachen mich darauf an, besonders „You Called It A Game" kam an. Die Buchhändlerin vor Ort verabschiedete sich mit einem einzigen Wort: „Obsession".
War die Geschichte von Anfang an erfunden?
Es gibt einen realen Ort, an dem die Schlüsselszene spielt. Einen Lost Place. Die Heilstätte Grabowsee.
Literatur beginnt für mich dort, wo Erinnerung allein nicht mehr ausreicht.
Der Roman startet in Hamburg und führt später nach Südafrika. Warum Kapstadt?
Weil mich diese Stadt seit Jahrzehnten begleitet. Ich habe dort als junger Mann gelebt.
Das Meer, die Berge, die Weinregionen: Kapstadt besitzt eine Dichte, die ich selten anderswo erlebt habe. Als Fotograf war das ein Geschenk. Hinter jeder Kurve wartet ein neues Motiv. Als Schriftsteller irgendwann auch.
Das Weingut im Roman existiert nicht. Aber seine Wurzeln liegen tief in dieser Landschaft.
Sie veröffentlichen unter dem Namen W.H. Hartmann. Warum ein Pseudonym?
Ein Pseudonym schafft Freiheit. Es erlaubt mir, näher an Erfahrungen heranzugehen, ohne ständig erklären zu müssen, welche Szene exakt so passiert ist und welche nicht.
Die Entstehung des Romans verlief offenbar nicht ganz konfliktfrei.
Das kann man sagen. Meine Lektorin und ich haben über viele Seiten diskutiert. Sie ist außergewöhnlich gut in ihrem Beruf. Vermutlich haben wir uns gerade deshalb so intensiv gestritten. Sie suchte Klarheit und Struktur. Ich suchte Reibung, Konflikte, Gefühle, die manchmal unbequem sind.
An einem Punkt habe ich ihr gesagt, sie soll endlich den Weichspüler weglassen.
Und wer hat sich durchgesetzt?
Sie. Zum Glück. Sonst wäre das Buch vermutlich roher geworden, aber nicht besser.
Worum geht es in „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap." wirklich?
Nicht um Südafrika. Nicht um Wein. Nicht einmal um Liebe.
Mich interessieren die Momente, in denen Menschen genau wissen, was richtig wäre, und sich trotzdem anders entscheiden. Die Geschichten hinter den Entscheidungen. Die Sehnsüchte, die Ängste, die Folgen.
Ein Satz, der bleibt. Eine Begegnung, die nachhallt. Vielleicht ist dieser Roman am Ende nichts anderes als der Versuch, solchen Echos eine Form zu geben.
Hörprobe: „Only Those Who Know The Way" wird angespielt. Dann lese ich, wie Elena ihre Koffer packt, bevor sie mit Jonas nach Südafrika aufbricht.
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