W.H. Hartmann

Heilstätte Grabowsee | Lost Place
W.H. Hartmann 2025
DIE ENTSTEHUNG VON
„LIEBE. SCHULD. DAS WEINGUT AM KAP.“
Ein Gespräch mit dem Autor W.H. Hartmann über
Literatur, Musik, Kapstadt und den Roman
Wann haben Sie gemerkt, dass ein Lied notwendig wird, um Ihre Geschichte umfassend zu erzählen?
Relativ spät.
Der Roman war fertig. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die wichtigsten Szenen noch nicht sitzen.
Ich fand, dass das, was zwischen den Zeilen steht, noch nicht erzählt ist.
Wie erzählt man Stimmungen? Sehnsucht? Verlust? Die Dinge, die meine Figuren so nicht aussprechen?
Dann entstanden die ersten Liedtexte. Nachts. Oft um drei Uhr morgens.
Aus einzelnen Zeilen wurden Songs.
Welche Rolle spielen die Lieder?
Sie erzählen das, was im Roman unausgesprochen bleibt.
Zwei Stücke begleiten die Hauptfiguren besonders eng.
"You Called It A Game (But To Me It Was Love)" beschreibt die Perspektive des Fotografen Jonas. Es ist ein Lied über Nähe, Hoffnung und die schmerzhafte Erkenntnis, dass zwei Menschen dieselbe Geschichte völlig unterschiedlich erlebt haben.
"Only Those Who Know The Way" nähert sich der weiblichen Hauptfigur. Ihrer Herkunft. Ihren Sehnsüchten. Ihren Entscheidungen. Der Titel greift einen Spruch auf, den sie als Tattoo trägt.
Die Songs sind keine Beilage zum Buch. Jeder Track ist eine eigene Stimme aus „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“.
Kein Beiwerk, sondern Verdichtung: Das, was im Roman unter der Oberfläche bleibt, wird im Sound hörbar.
War die Geschichte von Anfang an erfunden?
Es gibt einen realen Ort, an dem die Schlüsselszene spielt. Einen Lost Place. Die Heilstätte Grabowsee.
Literatur beginnt für mich dort, wo Erinnerung allein nicht mehr ausreicht.
Mich interessiert nicht die exakte Rekonstruktion von Ereignissen. Mich interessiert die Frage, was von ihnen bleibt.
Was bewegt Menschen dazu, bestimmte Entscheidungen zu treffen? Und wie leben sie später mit den Konsequenzen?
Der Roman beginnt in Deutschland und führt später nach Südafrika. Warum Kapstadt?
Weil mich diese Stadt seit Jahrzehnten begleitet. Ich habe dort als junger Mann gelebt.
Das Meer. Die Berge. Die Weinregionen. Die Menschen. Die kulturelle Vielfalt auf engstem Raum. Kapstadt besitzt eine Dichte, die ich selten anderswo erlebt habe.
Als Fotograf war das ein Geschenk. Hinter jeder Kurve wartet ein neues Motiv. Als Schriftsteller irgendwann auch.
Das Weingut im Roman existiert nicht. Aber seine Wurzeln liegen tief in dieser Landschaft.
Sie veröffentlichen unter dem Namen W.H. Hartmann. Warum ein Pseudonym?
Ein Pseudonym schafft Freiheit. Und es schützt.
Es erlaubt mir, näher an Erfahrungen heranzugehen, ohne ständig erklären zu müssen, welche Szene exakt so passiert ist und welche nicht.
Außerdem mag ich die Vorstellung, dass ein Buch zunächst für sich selbst spricht.
Die Entstehung des Romans verlief offenbar nicht ganz konfliktfrei.
Das kann man sagen. Meine Lektorin und ich haben über viele Seiten diskutiert.
Sie ist außergewöhnlich gut in ihrem Beruf. Vermutlich gerade deshalb haben wir uns so intensiv gestritten. Sie suchte Klarheit und Struktur. Ich suchte nach Reibung. Nach Konflikten. Nach Gefühlen, die manchmal unbequem sind.
An einem Punkt habe ich ihr gesagt, sie soll endlich den Weichspüler weglassen.
Und wer hat sich durchgesetzt?
Sie. Zum Glück.
Sonst wäre das Buch vermutlich roher geworden. Aber nicht besser. Rückblickend war genau diese Spannung wichtig.
Über die Rückmeldung einer Leserin habe ich mich deshalb besonders gefreut:
„Fantastisch geschrieben.“
Worum geht es in „Liebe. Schuld. Das Weingut am Kap.“ wirklich?
Nicht um Südafrika. Nicht um Wein. Nicht einmal um Liebe.
Mich interessieren die Momente, in denen Menschen genau wissen, was richtig wäre – und sich trotzdem anders entscheiden.
Die Geschichten hinter den Entscheidungen. Die Sehnsüchte. Die Ängste. Die Folgen.
Ein Satz, der bleibt. Eine Begegnung, die nachhallt. Vielleicht ist dieser Roman am Ende nichts anderes als der Versuch, solchen Echos eine Form zu geben.
Sie gehen mit dem Buch im Sommer auf Lesereise. Was erwartet die Besucher?
Keine klassische Lesung. Sechzig Minuten lang verschmelzen Wort und Noir-Acoustic-Sound zu einer gemeinsamen Erzählung. Ein Buch entsteht immer im Stillen. Seine eigentliche Reise beginnt aber erst in dem Moment, in dem die Geschichte im Raum nachhallt.
TERMINE 2026
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August 2026 – Lesecafé im Stadtpark, Hamburg
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September 2026 – KulturFUGE Oberhavel, Oranienburg